Wer beantwortet die Frage, ob Wechselflor noch zeitgemäss ist?
Und was KI damit zutun hat.
Iris Salathé und Alois Leute haben im Pflanzentipp der Ausgabe 6/2026 vom 19. März 2026 im Fachmagazin ‚der gartenbau’ dazu Stellung bezogen. Ich bedanke mich für ihre umsichtige Auseinandersetzung und dafür, dass sie eine «Lanze brechen» für die weitere Verwendung von Wechselflor.
In ökologisch sensibilisierten Umfeldern ist Wechselflor schon länger im Verruf. Mittlerweile werden die Bedenken jedoch auch breiter thematisiert. 2025 nahm die königlich britische Gartenbaugesellschaft RHS das Thema öffentlichkeitswirksam auf Z. B. im ‘The Telegraph’ oder ‘The Guardian’). Es wurde darauf aufmerksam gemacht, dass Wechselflor mehrheitlich in torfbasierten Substraten herangezogen wird. Ausserdem sind zahlreiche Sorten wenig wertvoll für bestäubende Insekten, weil gärtnerische Zuchtziele sterile oder gefüllte Blüten bevorzugen. Ebenso wird darauf verwiesen, dass Wechselflor für dessen Blütenpracht auf viel Wasser, Dünger und Pestizide angewiesen ist. Alles in allem ein hoher Energieaufwand für «Wegwerfprodukte».
«The RHS’s forecast that traditional bedding plants will fade out by 2025 reflects a clear ecological and cultural shift in how we view Gardens. Moving toward perennial, wildlife-friendly, peat-free planting isn’t just a trend — it’s a responsibility.» Josephine Bassey
«Die RHS-Vorhersage, dass traditioneller Wechselflor ab 2025 auf dem Rückzug sein wird, beschreibt einen ökologischen und kulturellen Wechsel, wie wir Gärten sehen. Der Wechsel hin zu mehrjährigen, nützlingsfreundlichen, torffreien Pflanzungen ist nicht lediglich ein Trend — es ist eine Frage der Verantwortung.» Josephine Bassey
Teils emotional stellt die Gärtnerschaft all diesen Punkten vielfältige Gegenargumente entgegen. Auch darum rechne ich Iris Salathé und Alois Leute ihre sachliche Stellungnahme hoch an:
«Dabei ist es sicher nicht mehr zeitgemäss, alle innerstädtischen Rabatten mit Wechselflor zu überziehen. Die Konzentration auf wenige Standorte und dort dann aus dem Vollen zu schöpfen, ist hier zielführend. Nach unserer Meinung schliessen sich ein naturnaher Garten und die Verwendung einjähriger Pflanzen auch nicht aus, wenn diese z. B. auch gute Pollen- und Nektarspender sind.»
Ebenso verweisen sie auf gartenkulturelle Aspekte:
«Ein- und Zweijährige sowie Zwiebelblumen sind seit langer Zeit wichtiger Bestandteil unserer Pflanzensortimente und stehen auch für genetische und kulturhistorische Vielfalt. Der andere Grund ist ein gestalterischer. Mit diesen Pflanzen zu arbeiten, macht zum einen sehr viel Spass und zum anderen kann man damit in Gärten und Parks jahreszeitliche Höhepunkte kreieren und Farbfeuerwerke zünden.»
Damit Wechselflor in diesem Sinn als wertvoller Sortimentsbestandteil erhalten bleibt, gilt es jedoch, die Sortenauswahl zu überdenken und eine zurückhaltende Verwendung auch im privaten Bereich zu erklären. Die Zeiten sind vorbei, in denen jede Blüte als nützlingsfördernd vermarktet wurde — diesbezüglich setzt mittlerweile auch die Gesetzgebung Riegel vor. Unsere niederländischen Kolleginnen und Kollegen sind daher besonders aktiv im Austausch mit relevanten Naturschutzorganisationen. Ziel ist es, sich auf ein vernünftiges Miteinander zu verständigen, welches der Natur dienlicher ist als radikale Positionen.
Und wer weiss, wie die Kundschaft ihre Prompts für die passende Saisonbepflanzung dereinst formuliert und was die KI dazu «ausspuckt»? Der algorithmische Abgleich um Verifizierung der Quellen wird die im Netz überproportional dokumentierte, nützlingsfördernde Pflanzenauswahl wohl dementsprechend ausspielen. In diesem Sinne wird KI die Frage von sich aus für uns beantworten, ob Wechselflor noch zeitgemäss ist — und zunehmend Einfluss auf unsere Pflanzensortimente nehmen.
«Be prepared...!»


