Langeweile allenthalben...
Wo gibt's Inspiration für zeitgemässe Erlebnisse im Garten-Center?
Ein Event-Spezialist hat sich beiläufig erstaunt gezeigt, dass sich Garten-Center so unkreativ der gärtnerischen Thematik annehmen, wenn es darum geht, Besucherinnen und Besucher zu unterhalten. Die gärtnerische Kompetenz würde im Sortiment wohl prächtig dargestellt, wenn es jedoch um die Dramaturgie der Erlebnisse neben dem Pflanzeneinkauf gehe, herrsche erstaunliche Langeweile.
Diese Feststellung ist mir kürzlich wieder in den Sinn gekommen, als ich die überwältigten Besucherinnen und Besucher des Floating Flower Garden beobachtete. Das Erlebnis ist wahrlich betörend, wenn 13’000 blühende Orchideen-Pflanzen von der Decke schweben und einen förmlich in ein Orchideenmeer eintauchen lassen. Entwickelt wurde diese Installation von dem internationalen Künstlerkollektiv teamLab, welches diverse immersive Erlebniswelten betreibt. Speziell ist, dass sie virtuelle sowie reale Erlebnisse vermählen.
Dieses Zusammenführen von real und virtuell gelang auch dem Künstlerkollektiv Marshmallow Laser Feast mit ihrer Installation „Of The Oak”, welche sie 2025 im Botanischen Garten von Kew der legendären Lucombe-Eiche widmeten. Direkt neben der realen, über 250-jährigen Eiche konnte man auf einem riesigen Bildschirm in freier Natur den Lebenskreislauf des Baumes virtuell erfahren und sogar ein bisschen mitbewegen. Auch hier war es eindrücklich zu beobachten, wie sich Alt und Jung in den Bann ziehen liessen und offensichtlich emotional berührt wurden.
Auch auf Kinder fokussierende Unterhaltung birgt deutlich mehr Potential für kreative Erlebnisse als die unambitionierten Spielanlagen, welche heute üblich sind. Ziel muss es sein, Erwachsene ebenso zu begeistern und zu engagieren wie die Jungen. Mein Lieblingsbeispiel ist „Sofia’s Play Garden” im botanischen Garten von Omaha, US-Bundesstaat Nebraska. Dem Team des dänischen Spielplatzbauers Monstrum ist es gelungen, auf 4’000 m² einen unvergleichbar fröhlichen Ort zu schaffen, an dem Familien gemeinsam lernen, spielen und wachsen können – in einer Umgebung, die die Schönheit und die Wunder der Natur zelebriert. Quasi ein begehbares „Puppenhaus-Garten-Center”. Das wäre doch einmal eine Attraktion für ein Garten-Center!
Meine Meinung ist, dass sich Garten-Center deutlich mehr anstrengen müssen, um authentische und wirkungsvolle Erlebnisse auf ihren Flächen zu schaffen, um ihre Relevanz zu erhalten. Ohne Zuhilfenahme von Expertise und künstlerisch-dramaturgischer Kompetenz wird dies nicht gelingen. Es gilt, das Narrativ des Gärtnerischen durch neue Erlebnisbereiche zu stärken und zu ergänzen. Ein schöner Kletterturm mit Rutschbahn wird diesem Anspruch nicht mehr gerecht.




