Geranie im 12er Topf für 99 Rappen!
Ein neidvoller Blick zur Bäckerei.
Der Aufschrei in der Branche würde mich ob diesem Kampfpreis interessieren. Noch mehr würden mich jedoch interessieren, welche Gegenmassnahmen es gäbe. Dies ging mir durch den Kopf, als im vergangenen Oktober Aldi Suisse mit einem 500-Gramm-«Pfünderli» (Halbweiss- oder Ruchbrot) für 99 Rappen einen Preiskampf im Schweizer Detailhandel initiierte. Die Kampfansage um das günstigste Brot der Schweiz führte einerseits zu Nachahmern im direkten Wettbewerb, sowie andererseits zu einer über viel Kanäle orchestrierten Polemik.
Im Kontrast dazu bin ich bass erstaunt, wenn ich die regelrecht explodierende Anzahl und Vielfallt an frischen Bäckereikonzepten bestaune. Wenn ich in London einer geduldig wartenden Gen-Z Menschenschlange um zwei Häuserblocks folge, endet diese immer am Eingang zu einer hippen Bäckerei. Und wenn ich mir an deren Aussenscheibe die Nase platt drücke – drinnen ist es ja immer Rappel voll – um die Preise der knusprigen Auslage zu erkenne, kommen mir fast die Tränen.
Ich begebe mich ins nächste Pub – dort herrscht im Gegensatz zu den Bäckereien gähnende Leere – um mir bei viel Bier auszumalen, was ich tun müsste, dass eine junge Generation für meine Geranien Schlange stehen würde – zum doppelten Preis von heute, nota-bene. Und vielleicht ist das ja eine Frage, welch sich die Branche generell stellen könnte. Quasi in Voraussicht, dass unsere Kernkompetenz – also nicht die Geranie, sondern Pflanzen im allgemeinen – voraussichtlich auch heuer wieder vom branchenfremden Mitbewerb preislich unter Druck gesetzt werden wird.
Für einige Antworten dazu rate ich zum Gang in die eine oder andere Bäckerei. In diesem Sektor gibt es neben ganz viel Beliebigkeit neuerdings auch eindrückliche Innovation zu finden. Letzteres scheint in unserer Branche im Vergleich dazu noch rar.
Erwin Meier-Honegger

